Neder Keller – 219 Jahre Familie, Bier und Tradition

Es gibt da einen besonderen Platz im Forchheimer Kellerwald. Ein Bierkeller, an dem Generationen von Menschen zusammengekommen sind – nicht erst seit ein paar Jahren, sondern seit 1807, noch bevor die Eisenbahn erfunden wurde, bevor es Autos gab oder bevor Fußball eine Sportart war. Das ist der Neder Keller.

Die Geschichte eines Kellers 

Es gibt da einen besonderen Platz im Forchheimer Kellerwald. Ein Bierkeller, an dem Generationen von Menschen zusammengekommen sind – nicht erst seit ein paar Jahren, sondern seit 1807, noch bevor die Eisenbahn erfunden wurde, bevor es Autos gab oder bevor Fußball eine Sportart war.

Dieser Keller heißt Neder Keller. Und seine Geschichte? Die ist genau so wie der Ort selbst: authentisch, bodenständig, und voller Überraschungen.

Der Anfang: Johann Rath gräbt einen Felsenkeller

Unsere Geschichte beginnt 1807 mit einem Mann namens Johann Rath – ein Bäckermeister, der eine Idee hatte. Neben den Forchheimer Kellergängen, wo überall Bier gelagert wurde, beschloss er, selbst einen Felsenkeller zu graben. Die Werkzeuge waren einfach: Schaufel, Spitzhacke, Muskelkraft.

Was Johann Rath damals nicht wusste: Er legte damit den Grundstein für einen der ältesten, größten und beliebtesten Bierkeller im Forchheimer Kellerwald. 

Die erste Generation: Von Bäcker zu Bierbrauer

Johann Rath war Bäcker – aber sein Sohn Franz Rath sah die Zukunft anders. Franz wurde nicht Bäcker, sondern Bierbrauer und Wirt. 1840 übernahm er den Betrieb von seinem Vater.

Während viele alte Familienbetriebe an einer Tradition festhielten, beschloss die Familie Rath, sich neu zu erfinden. Nicht radikal – aber intelligent.

Die Kombination war genial: Man hatte die Lagerkeller (von Johann), man hatte den besten Platz im Kellerwald (schon früh vom Vater ausgesucht), und jetzt kam auch noch die Braukunst dazu (Franz als Brauer).

1843 – Eine Witwe rettet die Familie

Manchmal schreiben die Frauen die wichtigsten Kapitel der Geschichte auch wenn  man oft zu wenig darüber liest. Kunigunda Rath, Frau von Franz, führte den Betrieb fort, als Franz verstarb. Sie war nicht nur Wirtin – sie war eine Geschäftsfrau.

Das war im 19. Jahrhundert keine Selbstverständlichkeit. Aber Kunigunda war nicht bereit, ihr Lebenswerk aufzugeben. Sie behielt den Bierkeller, ernährte die Familie und sie sicherte die Zukunft.

1843 verkaufte sie den Betrieb an einen Mann namens Sebastian Theiler – einen Büttner und Schiffswirt. Das war kein Verlust, sondern eine kluge strategische Entscheidung: Sie brauchte jemanden, der den Betrieb professionalisieren konnte.

1851 – Der erste Neubau: Das Kellerhaus

1851 passierte was Großes: Das erste richtige Kellerhaus wurde gebaut. Nichts Provisorisches, sondern ein solides Gebäude. Und ihr könnt die Inschrift noch heute lesen: „S. Theiler MDCCCLI“ (Sebastian Theiler 1851).

Neder Keller Eingang Schriftzug Sebastian Theiler

Das bedeutet: Der Betrieb war erfolgreich genug, um zu wachsen. Erfolgreich genug, um ein Haus zu bauen. 

1882 – Der Name „Neder“ wird geboren

Und jetzt kommt das Wichtigste: 1882 übernahm Sebastian Neder den Betrieb.

Ja, genau – Neder. Der Name, unter dem der Keller bis heute bekannt ist, kommt von diesem Mann. Vorher war es „Theilers Keller“, aber seit 1882 war klar, das ist der Neder-Keller.

Sebastian Neder war nicht nur ein Wirt – er war auch Brauer mit Leidenschaft. Unter seiner Leitung wurde der Betrieb noch professioneller und erfolgreicher.

1906 – Eine neue Schankhalle entsteht

Nach dem großen Erfolg des Neder Kellers beschloss die Familie, nochmal zu wachsen. 1906 wurde eine neue Schankhalle gebaut – mit Fachwerk und Stein, wie es sich für einen großen Bierkeller gehörte. Die Gäste kamen nicht nur aus Forchheim, sie kamen aus der ganzen Region.

1924 – Das Dach, das Generationen sah

1924 wurde ein Mansardendach mit Krüppelwalm gebaut. Klingt technisch – aber das ist eine sehr spezielle Dachform, die Platz schafft und elegant aussieht.

1933 wurde gemessen und dokumentiert:

  • Hauptschankfläche: 967 m²
  • Zusatzfläche: 376 m²
  • Gesamt: 1.343 m²

Das machte den Neder Keller zum größten Bierkeller im ganzen Forchheimer Kellerwald. Nicht knapp größer – sondern deutlich größer als die meisten anderen.

 

Aber es geht nicht um die Zahlen. Es geht um die Menschen, die hier saßen. Die Erinnerungen die wir haben als wir mit Opa und Oma auf den Kellern waren. Um das Gefühl zuhause zu sein. 

Der Neder Keller heute

Wenn ihr heute herkommt, sitzt ihr nicht einfach in einem Lokal. Ihr sitzt in der lebenden Geschichte Forchheims. Ihr sitzt unter Bäumen, die schon Generationen sahen. Ihr trinkt Bier, das in Kellern gekühlt wird, die 1807 gegraben wurden.

Und ihr werdet von Menschen bedient, die diese Geschichte kennen und lieben – nicht weil es ihre Job ist, sondern weil es ihre Leidenschaft ist.

Das ist der Unterschied zwischen einem normalen Bierkeller und den Forchheimer Kellern: Hier ist Geschichte nicht einfach Dekoration – sie ist lebendig.

2025 verkauft die Erbin der Brauerei Astrid Neder Haub den Keller an den Forchheimer Nicholas Mohnlein, der den Keller seither in die Zukunft führt. Zwar sind damit Brauerei und Keller getrennt, doch ermöglicht das dem Keller die Tradition weiter zu Pflegen und ein Konzept rund um den Neder Keller zu bauen, was die Besucher begeistert und sie gerne wieder kommen lässt.

Auf die nächsten 200 Jahre Neder Keller .

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